Nach meiner gesundheitlichen Absage für 2010, bin schon richtig heiß darauf, endlich den Wettkampf bestreiten zu dürfen. Die Berichte meiner Freunde, die 2010 ohne mich am Start waren, haben meinen Wunsch noch verstärk. Und 6 Monate Vorbereitung sollten doch ausreichen. Stefan Buro vom Pulheimer SC hatte sich auch angemeldet und so konnte der Konkurrenzkampf aus der diesjährigen Landesliga: ASV vs. PSC auf der Langdistanz fortgesetzt werden.
20. bis 24. September – Hang loose & Warm up in Marina di Campo
Mittwoch
Die Reise nach Elba gestaltet sich Dank InterSky, die Marina di Campo zwei Mal pro Woche anfliegen sehr stressfrei. Wir haben jeder zwei Sitze für uns und die bieten auch noch langstreckentaugliche Beinfreiheit. Vom Flughafen, der eigentlich nur aus einer Landebahn besteht, sind wir in zehn Minuten in unserem Hotel (Riva Del Sole). Es befindet sich etwa 300 m vom Start des Wettkampfs entfernt. Man kann also am Wettkampftag seinen Neo direkt im Zimmer anziehen und von dort zum Start gehen. Und natürlich sollte erwähnt werden, dass es vom Hotel zum Strand etwa 50 m sind. Also ist nach der Ankunft sofort Sonnenbaden und Schwimmen angesagt, schließlich hat uns die Sonne dieses Jahr nicht allzu oft geschienen. Wie gewohnt ist die Wassertemperatur mit der im heimischen Hallenbad vergleichbar, weshalb der Neo nur ein einziges Mal für 3,8 km zum Einsatz kommt. Die Sicht im Wasser liegt bei bestimmt 15 Metern. Aussage von Stefan: „Gäbe es jetzt noch bunte Fische zu sehen, hätte Kona ein Problem, seine herausgehobene Stellung in der Triathlon Welt zu verteidigen. Relaxter ist es jedenfalls hier (der Kaffee ist auch besser).“
Donnerstag
Nach dem Radzusammenbau steht eine Radrunde (von dreien beim Wettkampf) auf unserem Programm. Die Strecke führt aus Marina di Campo zuerst Richtung Westen. Nach etwa 2 km kommt rechts ein Stich nach San Ilario. Hier geht es immer leicht bergan. Wir rätseln wie schnell wir dieses Stück wohl im Wettkampf fahren werden. Oben angekommen umrundet man den Ort, der den Wendepunkt bildet. Anschließend geht‘s etwa 8 km bergab. Das ist im Wettkampf eine gute Gelegenheit sich zu verpflegen und die Beine auszuschütteln. Unten angekommen geht‘s wieder auf die Küstenstraße und anschließend um den gesamten Westen der Insel herum. Dabei passiert man Abschnitte mit atemberaubenden Blicken auf die See und in die umliegenden Buchten. Die Strecke könnte man im ersten Abschnitt als wellig bezeichnen. Es geht mal auf, mal ab und oft zwingen einen enge Kurven zur Konzentration auf die Strecke, wo man eigentlich lieber Richtung Meer und Klippen schauen möchte. Hinter Chiessi ist Schluß mit Radtouristik. Hier lauert die steilste Steigung der Strecke. Allerdings ist hier auch der Blick am schönsten. Beim Wettkampf sollte man die Kraft der Bilder auf sich wirken lassen. Das hilft bei der Auffahrt. Nach dieser Steigung kann man sich leider keine große Pause gönnen, sondern es folgt nach kurzer Abfahrt gleich die Steigung nach Marciana, dem höchsten Punkt der Strecke. Sie ist nicht mehr ganz so steil, aber dafür hat man auch schon Kraft an der vorherigen Steigung bei Chiessi eingebüßt. Wenn Marciana in Sichtweite gerät, ist die Runde so gut wie geschafft. Alles Folgende ist nur noch Genuß, denn jetzt kommt ein flacher Abschnitt durch einen Kastanienwald und anschließend die Serpentinenabfahrt nach Marciana Marina. In der zweiten Serpentine kann man nach Poggio, einem kleinen Ortsteil von Marciana abbiegen. Das Restaurant an der Piazza serviert erstklassige Bruschetta und verwöhnt mit einem tollen Blick nach Marciana Marina. Das können wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wieder auf dem Rad folgt die Abfahrt und hinter Marciana Marina ein kurviger Abschnitt an der Küste entlang. Eigentlich hätte man die Straße hier auch gerade bauen können, aber die Landschaft gab wohl tausend Kurven vor und so schlängelt sie sich in ständig wechselnden Kurven an der Küste entlang. Der Asphalt ist kürzlich erneuert worden, was diesen Abschnitt zur Genußstrecke werden läßt.
Bei Procchio im Norden biegen wir dann wieder rechts nach Marina Di Campo ab. Die restlichen 10 km zurück sind eigentlich nur ein Rollen, da es bergab geht und meistens ein kräftiger Rückenwind aus Norden hilft, der hier auch noch von den umliegenden Bergen kanalisiert wird.
Nach dieser „Anstrengung“ geht es wieder ab an den Strand.
Freitag
Faul am Strand liegen. Nichts tun kann ja soooo anstrengend sein!
Samstag
Wettkampfbesprechung, kurzes Training und Check-in. Immerhin, man kann sich ablenken.
25. September
Sonntag – Wettkampf
Das ist die erste Langdistanz bei der ich 11/2 Stunden vor dem Start aufstehe, den kurzen Wegen sei Dank. Kleines Frühstück mit Espresso und danach geht‘s in die Wechselzone, Tüten abgeben und letzte Kleinigkeiten erledigen und dann zum Start. Es ist wird gerade hell. Die Schwimmstrecke ist aber trotzdem gut zu erkennen, da sie mit riesigen Bojen gekennzeichnet ist. Es gibt gelbe Orientierungsbojen, die nicht bindend sind und orange Wendebojen, die man rechts liegen lassen muss. Der Kurs ist im Prinzip ein Rechteck, das die gesamte Breite der Bucht nutzt. Dieses Rechteck durchschwimmt man zwei Mal unterbrochen von einem kurzen Landgang.
Ich habe auf einer Langdistanz noch nie ein so entspanntes Schwimmen erlebt. Wen wundert’s bei 250 Startern im Meer. Das ist vielleicht auch ein Grund dafür, daß ich meine Schwimmbestzeit um über 4 Minuten verbessere.
Bester Laune verlasse ich das Wasser und rauf auf‘s Rad! Geplant hatte ich eine Rundenzeit von 2:15h. Die erste Radrunde läuft super und ist schon nach 2:05h beendet. Die zweite Runde geht auch noch ohne Probleme und ich die Wechselzone nach weiteren 2:08h. Jetzt geht’s in die 3. und letzte Radrunde. Doch schon nach 2km am ersten Anstieg merke ich, daß mir irgendeiner den Stecker gezogen hat. Auf einmal ist keine Kraft mehr in den Beinen. Jetzt nur die Ruhe bewahren und die 60km noch nach Hause bringen. Aber in den Anstiegen muß ich an Erik Zabel denken: „Eule iss das langsam…“. Den Gedanken sollte ich besser nicht vertiefen, außerdem geht‘s ja gleich auf die Laufstrecke. Für die 3. Runde benötige ich 2:20h.
(Fakten zur Radstrecke: 182km mit 2540Hm)
Der Wechsel ist relativ schnell erledigt und ab geht es. Die Sonne brennt zu diesem Zeitpunkt noch erbarmungslos vom Himmel und wir haben 31°C. Da heißt es sich gut zu kühlen und viel zu trinken. Wichtig ist mir eigentlich nur noch ein gutes Lauftempo zu finden. Leider klappt das heute nicht mehr. Die Beine haben sich nicht mehr erholt und ich sehe ein, daß ich diesen Wettkampf Wohl oder Übel im „Notstrombetrieb“ beenden. Ich beginne mit etwas mehr als 5 Minuten pro Kilometer. Gels und Coke helfen auch nicht mehr. Das Laufen ist heute von Anfang an ein Kampf. Zum Glück sitzen vor unserem Hotel und an der Strandpromenade ein paar Zuschauer, die zuverlässig Applaus spenden und mich auch ab und zu ein wenig aufmuntern („Viva Colonia“, „Kölle Alaaf“). Vielen Dank, das hat sehr geholfen. Trotzdem geht es nicht schnell voran. In der vierten von 5 Runden a 8km genehmige ich mir dann zum ersten Mal in einem Wettkampf eine 1-minütige Gehpause. Auch die Aufenthalte an den Verpflegungsständen dehne ich weiter aus als üblich. Doch ich bin nicht alleine. Komischerweise geht es selbst den Spitzenreitern so ähnlich. Sowohl die erste Frau, wie auch der erste Mann gehen am Ende ihrer Laufstrecke auch weit ab von den Verpflegungsständen.
Zum Glück haben sich ein paar Wolken vor die Sonne geschoben. Trotzdem, gut laufen tut hier und heute niemand. Das ist komisch, denn objektiv betrachtet ist diese Laufstrecke wirklich einfach. Es gibt nur sehr kurze und nicht sehr steile Anstiege und Gefälle. Die Kurven sind zu vernachlässigen und trotzdem gibt es hier keine guten Laufzeiten. Über 2500 Höhenmetern auf der Radstrecke hinterlassen bei jedem Spuren.
Nach 11:28:15 Stunden hat die Schinderei dann ein Ende. Insgesamt reicht das für den 23. Gesamtplatz und zum 3. Platz in der Altersklasse. Schon im Ziel war ich mir sicher, daß das mein härtester aber auch schönster Wettkampf war und ich hier im nächsten Jahr wieder an der Startlinie stehen werde.
Stefan habe ich nach 90km auf dem Rad überholt. Danach hatte er dann leider noch eine Panne. Aber auch für ihn war nach 12:07:06 Stunden das Tagwerk vollbracht. Doch der Sieg geht eindeutig an den ASV !!!
Was gibt‘s noch?
Zunächst mal meine Lieblingsgelateria direkt neben der Wechselzone. Sie muß mindestens einmal täglich besucht werden. Selbstgemachtes Eis (25 Sorten) – ich habe noch kein besseres Eis gegessen.
Jede Menge Wege zum Wandern und Mountainbiken. Auch hier werden oft spektakuläre Blicke ins Meer geboten. Einsamkeit ist zumindest auf den Wanderwegen garantiert.
Wem die Langdistanz zu schwer erscheint, der kann auch eine Mitteldistanz machen.
Und die Preise stimmen auch. Für die Langdistanz wird das Startgeld für 2012 wohl bei 210€ beginnen. Mehr dazu unter www.elbaman.it . Da verzichte ich gerne auf die IM-Veranstaltungen, zumal diese Strecke wohl unvergleichlich ist. Nicht zu Unrecht wurde diese Veranstaltung von der amerikanische „Triathlet“ unter den Top 10 weltweit aufgeführt.
Ich komme ganz sicher wieder.